Nachruf von Paul Köhler

Zum Tode von Paul Köhler „Eine Stimme, die sehr vertraut war, schweigt. Ein Freund, der immer für uns da war, lebt nicht mehr. Vergangene Bilder ziehen in Gedanken vorbei. Erinnerungen und Dankbarkeit ist das, was bleibt“ Paul Köhler, unser Ehrenmitglied ist am Montag 15.06. 2020 im Alter von 94 Jahren verstorben. Am 26. Mai hat Paul noch bei guter Gesundheit seinen 94. Geburtstag gefeiert. Er hatte aber an dem Tag beim Telefonat gesagt, dass er in seinem 9 x2 m großen Zimmer im Altenheim derzeit bei der Pandemie erlebt, was ein Gefängnis bedeutet – es war für ihn nicht einfach. Vor der Pandemie hat er für die anderen Seniorinnen und Senioren im Pflegeheim Klavier gespielt und mit ihnen gesungen. Seit Mitte März und den gesamten April jedoch war Besuch komplett untersagt, danach sehr eingeschränkt und nur mit Abstand, Trennscheibe und Mundschutz. Vor Allem der Mundschutz störte ihn sehr, konnte er deshalb die Besucher doch kaum mehr verstehen. Auch sein Klavierspiel für die anderen Heimbewohner war nicht mehr möglich. 1926 ist Paul in Schlesien geboren und zusammen mit 8 Geschwister aufgewachsen. Besonders hart und prägend war das Verlassen der alten Heimat Schlesien und die Französische Kriegs-Gefangenschaft. Im Herzen ist er immer ein Schlesier geblieben, deshalb engagierte er sich auch lange Jahre in der Eichendorfgilde. Alle Geschwister, bis auf den Tübinger Professor und Priester Jochen Köhler, haben wie der Vater Paul Köhler das Schneiderfach erlernt. Vater Paul war das große Vorbild – in Schlesien stellvertretender Präses des Gesellenvereins und in Stuttgart nach dem Krieg engagiertes Vorstandsmitglied und 1. Bass im Chor. 1951 ist Paul in den Chor eingetreten (bis heute 69 Jahre Mitglied) und es lag nicht fern, dass der älteste von 3 Söhnen, auch selber Jahrzehnte in der Vorstandschaft des Chores war. Ebenso viele Jahre als gewissenhafter und pünktlicher Notenwart. Er war auch Hauptverantwortlicher für die Organisation aller Konzerte und viele Jahre als Vertreter des Chores im Präsidium des Chorverbandes. Das bedeutendste und herausragende Engagement war aber freilich die sehr erfolgreiche und jahrzehntelange Tätigkeit als 1. Vizechorleiter des Kolping-Chores. So war er vor allem in der Lex-Ära eine sehr gute Ergänzung. Mit großem Sachverstand, seiner ausgefeilten und souveränen Dirigiertechnik und absoluten Autorität hatte Paul den Chor jederzeit fest im Griff. So traf in hohem Maße der Spruch auf ihn zu: Wer die Musik und das Lied mit frohem Herzen und großer Liebe pflegt, trägt den Schlüssel zur inneren Harmonie in sich. Er hatte immer eine sichere und gute 1. Tenorstimme und herausragend war über Jahrzehnte sein fleißiger Singstundenbesuch. Er war ein treuer Sänger und gleichzeitig ein treues Mitglied der Kolpingsfamilie (70 Jahre) sowie ein leuchtendes Vorbild in Engagement, Opferbereitschaft, Tatkraft und Optimismus, aber auch in Geradlinigkeit, Bescheidenheit und Freundlichkeit. Er war uns ein guter, wertvoller und treuer Freund – ein wahrhaft verdientes EHERNMITGLIED. Wir können nur dankbar sein für sein vielfältiges und segensreiches Wirken und werden ihn nicht vergessen… Franz Hagen und Bruno Kieninger